Individuell gefertigte Holzkisten

Manche Projekte sind spannend, weil das Ergebnis am Ende sichtbar ist. Andere, weil man auf dem Weg dorthin selbst etwas dazulernt. Dieses Projekt für Leki Art war für mich beides.

Ausgangspunkt für das Projekt sind individuelle Holzkisten, die mit dem Laser geschnitten und auf Wunsch graviert werden. Aus meiner Perspektive ging es um die Frage, wie man das Vorgehen unterstützen und optimieren kann. Für mich klang das direkt nach dem idealen Projekt um zu sehen, wie weit man heute mit Vibe Coding – also dem Entwickeln von Software überwiegend durch natürlichsprachliche Prompts an ein KI-Modell – wirklich kommt. Ich nutze KI-Unterstützung dauerhaft im Entwicklungsalltag, meist aber eher in kleineren, kontrollierten Bausteinen. Hier wollte ich bewusst sehen, ob sich damit auch eine neue Software von Grund auf sinnvoll umsetzen lässt.

Das Problem

Die Herausforderung bei diesen Kisten liegt nicht im sichtbaren Endergebnis, sondern in der Vorbereitung. Sobald eine Kiste nicht in einem Standardmaß gefertigt wird, muss auch die Vorlage jedes Mal für den Laserschnitt angepasst werden. Länge, Breite und Höhe sind dabei nur ein Teil der Aufgabe. Entscheidend ist, dass die einzelnen Teile mit ihren Verzahnungen am Ende exakt zusammenpassen, damit sich die Kiste stabil zusammensetzen und sauber verkleben lässt.

Für Leki Art war genau das der eigentliche Engpass. Individuelle Holzkisten sind attraktiv, aber jede neue Größe bedeutete bisher auch neue Arbeit an der SVG-Vorlage. Das ist machbar, aber auf Dauer aufwendig und wirtschaftlich nur begrenzt sinnvoll, wenn man flexibel auf Kundenwünsche reagieren will.

Wow – und dann au

„Wie so oft beim Vibe Coding war der erste Eindruck: wow. Der zweite: eher au.”

Der Einstieg war bewusst simpel: Eine bestehende SVG als Vorlage nehmen, kurzer Prompt, Generator bauen lassen. Und wie so oft sah das erste Ergebnis erstmal erstaunlich gut aus. Zumindest solange, bis man genauer hingesehen hat. Denn an vielen Stellen stimmten Proportionen, Verbindungen und Details noch nicht so, dass daraus wirklich eine brauchbare Vorlage für die Fertigung hätte entstehen können.

Fehlerhafte SVG-Vorlage aus einem ersten Generator-Durchlauf
Finde den Fehler: SVG-Vorlage aus einem der ersten Generator-Durchläufe.

Mir war nach einigen ernüchternden Versuchen relativ schnell klar, dass einfaches Weiterprompten hier nicht die Lösung sein würde – die Probleme wurden entweder mehr oder auf jedes gelöstes kam ein neues dazu. Also bin ich einen Schritt zurückgegangen und habe noch einmal neu angesetzt. Nicht mit mehr Inputs, sondern mit mehr Klarheit. Ich habe mir die Vorlage noch einmal genau angesehen und beschrieben, was immer gleich bleiben muss, was sich ändern darf und welche Regeln für die Geometrie zwingend gelten müssen.

Erst die Logik, dann der Code

„Nicht einfach weiterprompten, sondern erst die Logik sauber machen.”

Diesen Teil habe ich in einer Textdatei festgehalten und dann gemeinsam mit der KI weiter geschärft. Was mir dabei wieder sehr deutlich aufgefallen ist: Es hilft enorm, Rückfragen zuzulassen, bevor überhaupt Code entsteht. Denn die Technik neigt dazu, sehr schnell loszulaufen und unterwegs Annahmen zu treffen. Wenn man diese Annahmen nicht früh klärt, läuft man später unnötig in Sackgassen.

Mit dieser klareren Grundlage wurde das Ergebnis spürbar besser. Trotzdem blieb die SVG-Generierung an vielen Stellen zunächst fehlerhaft. Eine manuelle Korrektur der Generierungslogik habe ich nach einem kurzen Blick in den Code schnell verworfen und entschieden: Dieser Teil soll eine Blackbox bleiben. Deshalb war ein weiterer wichtiger Schritt der Einsatz von Tests, um Input und Output der Blackbox zu validieren. Ich habe verbesserte SVGs als Referenz genutzt, daraus Testfälle aufgebaut und die Grundlogik Schritt für Schritt dagegen absichern lassen.

„Tests waren der Punkt, an dem aus einer Blackbox langsam ein verlässliches Werkzeug wurde.”

Das war für mich rückblickend einer der wichtigsten Teile des gesamten Projekts. Denn erst dadurch wurde aus einem interessanten Experiment ein Werkzeug, dem man auch wirklich vertrauen kann. Als die Grundlogik einmal stabil war, ließen sich zusätzliche Details und kleinere Erweiterungen deutlich kontrollierter ergänzen.

Ein erster funktionierender Prototyp einer individuellen Holzkiste
Ein erster funktionierender Prototyp einer individuellen Holzkiste.

Das Ergebnis

Für Leki Art bedeutet das Ergebnis heute vor allem mehr Flexibilität und Geschwindigkeit. Individuelle Holzkisten lassen sich auf Basis unterschiedlicher Maße deutlich effizienter vorbereiten. Dadurch wird es einfacher, auf konkrete Wünsche einzugehen und Einzelstücke umzusetzen, die nicht von der Stange kommen.

Der fertige Box-Generator mit einfacher UI im Einsatz.
Der fertige Box-Generator mit einfacher UI im Einsatz.

Was ich mitnehme

Für mich war dieses Projekt vor allem aus einem Grund wertvoll: Es hat sehr klar gezeigt, dass ein spezieller Anwendungsfall wie dieser mittels Vibe Coding wirtschaftlich umsetzbar ist. Der Aufwand für Konzeption, Logik und technische Umsetzung wäre für ein solches Spezialthema mit herkömmlichen Mitteln schlicht zu hoch gewesen.

„Dieses Projekt wäre vor dem Aufkommen von Vibe Coding wirtschaftlich kaum umsetzbar gewesen.”

Gleichzeitig hat sich aber auch etwas bestätigt, das ich aus früheren Erfahrungen schon kannte: Größere Vorhaben lassen sich nicht einfach komplett auf diese Weise umsetzen. Sobald Scope, Grenzen, Input und erwarteter Outcome nicht klar definiert sind, wird es schnell unübersichtlich. Dann verliert man Kontrolle, statt Tempo zu gewinnen.

Gerade deshalb war dieses Projekt für mich ein so gutes Beispiel. Es zeigt aus meiner Sicht sehr klar, wo Vibe Coding heute echten Mehrwert liefern kann: bei klar eingegrenzten Problemen, nachvollziehbarer Logik und einem konkreten Scope. Genau dort kann man die Technik gezielt einsetzen, kontrollieren und wirtschaftlich sinnvoll nutzen.

„Klare Scopes und definierte Grenzen machen die Technik nicht kleiner – sondern erst wirklich nutzbar.”

Nicht die Geschwindigkeit allein ist der eigentliche Gewinn, sondern die Möglichkeit, klar begrenzte Ideen heute so umzusetzen, dass daraus in vertretbarer Zeit ein echter praktischer Nutzen entsteht.

Wenn du ähnliche Herausforderungen hast und Unterstützung brauchst: Sprich mich gerne an.

Fertige Holzkisten in verschiedenen Größen und Designs
Fertige Holzkisten in verschiedenen Größen und Designs.
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